11. Wiener Symposium

Workshops

Im Folgenden werden die 5 Workshops des Symposiums aufgelistet. Jeder Workshop findet am Freitag den 31.9 und Samstag den 1.9 statt (also an beiden Tagen). Die Teilnahme ist im Seminarpreis inkludiert.

 

Workshop 1: Julianne Appel-Opper

Heilsame Körperdialoge im interkörperlichen Feld 

Hinweis: dieser Workshop ist bereits ausgebucht

Im interkörperlichen Miteinander beeindrucken TherapeutIn und KlientIn einander. Die Gesten, Blicke, Rhythmen, Melodien und Kleinstbewegungen von KlientInnen sprechen uns unmittelbar körperlich an. Wir halten zum Beispiel die Luft an, wir verspannen uns, lehnen uns vor oder zurück, oder werden unruhig. Auf diese Weise kokreieren beide eine implizite Körper-zu-Körper-Kommunikation, parallel zu den gesprochenen Worten und im Schweigen. 

 

Aber wie können solche interkörperlichen Kommunikationen weiter erkundet und so einer psychotherapeutischen Bearbeitung zugänglich werden?

An dieser Frage habe ich über viele Jahre praktisch und theoretisch gearbeitet und eine therapeutische Arbeitsweise entwickelt, mit der die Therapeutin ihre Resonanzen und Impulse dem Klienten zur Verfügung stellt, ganz ohne Körperkontakt. Die Intervention wird zunächst verbal ausgesprochen. Der andere Körper hört die Intention und wird so eingeladen, eine sichere, stimmige Bühne für die Intervention mit zu gestalten. Erst nach dieser Phase wird die Intervention ausgeführt, wie zum Beispiel eine achtsam ausgeführte und für den Klienten sichtbare Kleinstbewegung. Der Klient kann so aus sicherer Entfernung auf seine frühen impliziten Beziehungsmuster und -erwartungen schauen und diese gemeinsam mit dem Therapeuten weiter erkunden. Den präverbalen Mitteilungen des Klienten wird in der gleichen nonverbalen Sprache geantwortet und explizite heilsame körperliche Dialoge können entstehen.

 

Diese Methode der „relationalen Körper-zu-Körper-Kommunikation“ basiert auf Konzepten der Dialogischen Gestaltpsychotherapie und der Relationalen Psychoanalyse. Der Schwerpunkt des Workshops wird neben einer theoretischen/ methodischen Einführung bei der Selbsterfahrung liegen, um Körperdialoge zu erkunden.

 

 

Workshop 2: Jörg Scharff

Zwischenleibliche Aspekte der Kommunikation – Einübung in Selbst- und Fremdwahrnehmung.

 

Kommunikation im therapeutischen Raum ist immer auch eine zwischenleibliche. Das Verstehen der Vorgänge im analytischen Feld bedarf eines Sich-Einlassens auf deren leibliche Dimension und eines Erspürens der unmittelbaren sinnlichen Einwirkung aufeinander. Hier blickt der Therapeut nicht objektivierend auf das Geschehen, sondern lässt sich von ihm leiblich ergreifen. So gilt es, sich dessen gewahr zu werden, wie man vom leiblichen Äußerungsgestus des Patienten in Anspruch genommen ist und darauf antwortet, wie man umgekehrt aber auch mit dem eigenen gestisch-mimetischen Ausdruck auf den Patienten einwirkt. Die Unmittelbarkeit der zwischenleiblichen Kommunikation ist ein Erstes, dem oft erst in einem zweiten, nachträglichen Schritt ein Verstehen folgt. Im Workshop sollen anhand praktischer Beispiele und Übungen die Selbst- und Fremdwahrnehmung geschult werden, zum einen hinsichtlich des musikalischen Aspekts der sprachlichen Äußerungen (Ton, Rhythmus, Artikulation, »Sound« usw.,) aber auch der »Sprache des Leibes« mit seiner Gestik, Mimik, dem Gesamt seiner Bewegungsaura.

 

Empfohlene Literatur:

Jörg M. Scharff (2010): Die leibliche Dimension in der Psychoanalyse. Brandes& Apsel.

Sebastian Leikert/Jörg M. Scharff (2013): Korrespondenzen und Resonanzen. Psychoanalyse und Musik im Dialog. Brandes & Apsel.

 

 

Workshop 3: Thomas Stephenson

Was uns unterscheidet und was uns verbindet: Gemeinschaftsgefühl durch relationale Lebensbewegungen in Therapie und Forschung (Arbeitstitel)

 

In diesem „relationalen“ Workshop wenden wir uns unseren Kernfragen zu, die wir als Menschen, TherapeutInnen und „SeelenforscherInnen“ haben und ko-kreieren unter Anwendung der fokus:bildung-Technik Individuen- und Gruppen-übergreifende Fragen, die uns unsere Kooperationsmöglichkeiten bei vollem Erhalt unserer Individualität zeigen. 

 

 

Workshop 4: Christine und Peter Geißler

Einführung in körperbezogenes Arbeiten im offenen Setting

 

Der Workshop ist gedacht für Kolleginnen und Kollegen, die bereits mit Patientinnen und Patienten arbeiten. Innerhalb der vier Blocks wollen wir vier zentrale Themenbereiche ansprechen und durch Selbsterfahrungsübungen anschaulich machen:

·         Themenbereich Nähe / Distanz

·         Themenbereich stimmlicher Ausdruck

·         Themenbereich Augenkontakt

·         Themenbereich Bewegung (Mimik, Gestik, Atmung usw.) und gemeinsame Bewegung (konkret-körperliche Interaktion)

Im Anschluss an die Selbsterfahrung wird das Vorgehen unter analytischer Perspektive gemeinsam reflektiert.

Mitzunehmen: Bequeme Kleidung, Augenbinde, Decke

Vorbereitungslektüre (optional): P. Geißler: Psychodynamische Körperpsychotherapie (Vandenhoeck & Ruprecht, 2017)

 

Workshop 5: Elisabeth Bingel

Der Hund hat auch einen Körper

 

Viele Psychotherapeutinnen und -therapeuten sind auch Hundebesitzerinnen und  besitzer und arbeiten in Anwesenheit ihres Hundes mit den Patientinnen und Patienten. Dadurch wird ein triadisches Setting hergestellt, das in der Regel aber nicht bewusst reflektiert und therapeutisch genutzt wird. Zwar wirkt sich die entspannende Präsenz eines „freundlichen Hundes“ ohnehin meist positiv aus. Wenn der Hund aber tatsächlich aktiv als Dritter in das therapeutische Geschehen einbezogen wird, ergibt sich eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Inszenierungen impliziter Beziehungsmuster und das körperliche und emotionale Erleben aller an der triadischen Szene Beteiligten wahrzunehmen, zu mentalisieren und damit therapeutisch fruchtbar zu machen.

Im Vortrag sollen die zentralen Annahmen tiergestützter Interventionen vorgestellt und mit den in der relationalen Psychoanalyse bedeutsamen Konzepten des Szenischen Verstehens, des Embodiments und der Mentalisierung verbunden werden. Durch die vertiefende Diskussion und Anwendung auf praktische Fallbeispiele im Workshop soll der Rückbezug auch auf die dyadische Arbeit ohne Hund bzw. die therapeutische Arbeit in Gruppen ermöglicht werden.