11. Wiener Symposium

Vorträge

Im Folgenden werden die Vorträge des Symposiums aufgelistet. Änderungen sind vorbehalten.

Vortrag von Günther Heisterkamp (31.8 um 9:10 Uhr)

 

Nachbildende Supervision als Einübung in die analytische Psychotherpie

Das Verfahren der nachbildenden Supervision ist auf die allgemeine Frage bezogen, wie die Qualitäten des Seelischen, auf die wir uns in der psychoanalytischen Behandlung und Weiterbildung beziehen, im Sprechen darüber erhalten bleiben und wie grundlegende Formen der Vermittlung, Anleitung, Einübung und Beurteilung gefunden werden können. Die inszenierende Supervision kann die herkömmliche Form der Analyse von Behandlungsverläufen bereichern. Sie bietet fundierte Anregungen zur aktuellen Entwicklungsaufgabe der Psychoanalyse, nämlich die unmittelbaren Wirkungszusammenhänge zwischen Patient und Therapeut psychologisch zu erfassen und praxeologisch zu erschließen.

 

 

Vortrag von Thomas Stephenson (31.8 um 10 Uhr)

 

„Das ist ja unerhört!“: Was uns durch partizipative Relationalität alles zugemutet wird.“

Sich für die relationale Version von Psychoanalyse bzw. Individualpsychologie zu entscheiden, bedeutet, aus der Komfortzone orthodoxer Abstinenz herauszutreten und in das „Schlachtfeld“ Therapie ohne die eiserne Rüstung (fantasierter oder realer) Machtpositionen einzutreten. Relationale TherapeutInnen riskieren sich als Ganzes und wagen rückhaltlose Hingabe. Dass das jedenfalls auch gleichzeitig das einzige wirklich effektive Gegenmittel gegen drohenden Missbrauch und Retrauamatisierung ist, ändert nichts daran, dass es für die TherapeutInnen die maximale Herausforderung in ihrem ohnehin schon „unmöglichen“ Beruf darstellt – ohne Gefahrenzulage und 14. Gehalt. Der Vortrag erörtert einige „Zumutungen“ des Relationalen.

 

 

Vortrag von Volker Sommer (31.8 um 17:30 Uhr)

 

Wilde Gefühle. Haben Tiere Emotionen? (Arbeitstitel)

Wie fühlt es sich an, eine Fledermaus zu sein? Besitzen Schweine „Meinigkeit“? Können Hunde trauern? Vermögen Affen einander zu lieben? Während wir nicht bezweifeln, dass Menschen entsprechend mannigfaltig fühlen, wurde und wird oft bezweifelt, dass Tiere über ein reiches emotionelles Innenleben verfügen. Prominente historische Positionen einer bis heute kontrovers geführten Debatte verkörpert etwa Descartes mit seiner Behauptung, Tiere seien unbeseelte Maschinen; Darwin, der menschliches Gefühlsleben als Produkt langer Entwicklung begriff; Behavioristen, die die Wichtigkeit subjektiver Empfindungen radikal bestritten; bis hin zu zeitgenössischen Bewusstseins-Philosophen. Der Vortrag beleuchtet diese sich wandelnden Auffassungen über die Formen und Ursachen von Emotionen aus evolutionsbiologischer Perspektive und fragt nach den Konsequenzen, die sich daraus für unser Selbstverständnis und ethisches Handeln ergeben.

 

 

Vortrag von Christine Geißler (1.9 um 9 Uhr)

Wird noch hinzugefügt

 

 

Vortrag von Elisabeth Bingel (1.9 um 9:45 Uhr)

 

Der Hund hat auch einen Körper

Viele Psychotherapeutinnen und -therapeuten sind auch Hundebesitzerinnen und  besitzer und arbeiten in Anwesenheit ihres Hundes mit den Patientinnen und Patienten. Dadurch wird ein triadisches Setting hergestellt, das in der Regel aber nicht bewusst reflektiert und therapeutisch genutzt wird. Zwar wirkt sich die entspannende Präsenz eines „freundlichen Hundes“ ohnehin meist positiv aus. Wenn der Hund aber tatsächlich aktiv als Dritter in das therapeutische Geschehen einbezogen wird, ergibt sich eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Inszenierungen impliziter Beziehungsmuster und das körperliche und emotionale Erleben aller an der triadischen Szene Beteiligten wahrzunehmen, zu mentalisieren und damit therapeutisch fruchtbar zu machen.

Im Vortrag sollen die zentralen Annahmen tiergestützter Interventionen vorgestellt und mit den in der relationalen Psychoanalyse bedeutsamen Konzepten des Szenischen Verstehens, des Embodiments und der Mentalisierung verbunden werden. Durch die vertiefende Diskussion und Anwendung auf praktische Fallbeispiele im Workshop soll der Rückbezug auch auf die dyadische Arbeit ohne Hund bzw. die therapeutische Arbeit in Gruppen ermöglicht werden.

 

 

Vortrag von André Sassenfeld (1.9 um 17:30 Uhr)

 

Die Wenden der gegenwärtigen Psychoanalyse

Es ist möglich, die gegenwärtige Psychoanalyse durch sechs grundlegende Wenden mit zahlreichen theoretischen und klinischen Implikationen zu definieren. Eine dieser Wenden ist die Wende hin zum Körperlichen, relational verstanden als nonverbale, intersubjektive Grunddimension von Erfahrung und Beziehung. Dieser Vortrag beschreibt einige fundamentale analytische Begriffe zu Subjektivität und Intersubjektivität, die diese Wende hin zum Körperlichen in der Theorie und Praxis der relationalen Psychoanalyse ausgearbeitet hat.

 

 

Vortrag von Peter Geißler (2.9 um 10:15 Uhr)

 

Eine Schreierfahrung im achten Jahr eine Therapie

Der Vortrag handelt von einer Patientin, die ich seit acht Jahren behandle und bei der die Arbeit im offenen Setting in einer Stunde in einer intensiven Schreierfahrung gipfelte. Über die betreffende Stunde wird im Vortrag berichtet ebenso wie – in verdichteter Form – über den jahrelangen Prozess. In der an den Vortrag anschließenden Diskussion wäre mir wichtig miteinander zu erarbeiten, ob es sich beim hier vorgestellten Beispiel um einen seltenen Einzelfall handelt bzw. wenn ja, worin die Schwierigkeiten bestehen derartige kathartische Erfahrungen innerhalb der Einzeltherapie zuzulassen oder auch zu fördern. 

 

 

Vortrag von Jörg Scharff (2.9 um 11:30 Uhr)

 

Zwischenleibliche Aspekte der Kommunikation – Einübung in Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Kommunikation im therapeutischen Raum ist immer auch eine zwischenleibliche. Das Verstehen der Vorgänge im analytischen Feld bedarf eines Sich-Einlassens auf deren leibliche Dimension und eines Erspürens der unmittelbaren sinnlichen Einwirkung aufeinander. Hier blickt der Therapeut nicht objektivierend auf das Geschehen, sondern lässt sich von ihm leiblich ergreifen. So gilt es, sich dessen gewahr zu werden, wie man vom leiblichen Äußerungsgestus des Patienten in Anspruch genommen ist und darauf antwortet, wie man umgekehrt aber auch mit dem eigenen gestisch-mimetischen Ausdruck auf den Patienten einwirkt. Die Unmittelbarkeit der zwischenleiblichen Kommunikation ist ein Erstes, dem oft erst in einem zweiten, nachträglichen Schritt ein Verstehen folgt. Über Vortrag und Seminar soll die Selbst- und Fremdwahrnehmung geschult werden, zum einen hinsichtlich des musikalischen Aspekts der sprachlichen Äußerungen (Ton, Rhythmus, Artikulation, »Sound« usw.,) aber auch der »Sprache des Leibes« mit seiner Gestik, Mimik, dem Gesamt seiner Bewegungsaura. Zugleich soll die therapeutische Relevanz jener Momente herausgestellt werden, in denen es zu einer spezifischen stimmigen Resonanz, aber umgekehrt auch zur Dissonanz zwischen Patient und Therapeut kommt.