12. Wiener Symposium

Workshops

Im Folgenden werden die 7 Workshops des Symposiums aufgelistet. Jeder Workshop findet am Freitag den 11.7 und Samstag den 12.7 statt (also an beiden Tagen). Die Teilnahme ist im Seminarpreis inkludiert.

Workshop 1: Jochen Willerscheidt

Basale Selbsterfahrungseinheiten zur zwischenleiblichen Kommunikation

Während der vier Workshop-Sitzungen werden die TN mit einem vorläufigen Fortbildungs-Curriculum zur psychodynamischen Körperpsychotherapie vertraut gemacht. Inhalte der ersten beiden Erfahrungseinheiten zum körpertherapeutischen Einstieg zentrieren sich um die zunächst isoliert angebotenen Module der Körperselbsterfahrung und des Körperlesens. Sie erweitern das bisherigen implizite Behandlungswissen des Therapeuten.
Auf diesen ersten basalen Modulen bauen zwei weitere Vertiefungseinheiten auf.

Einführende Literatur:
Geißler,P./ Heisterkamp,G. (2013). Einführung in die analytische Körperpsychotherapie. Psychosozial-Verlag
Willerscheidt, Jochen (2018). Der Körper in der analytischen Therapie von Kindern und Jugendlichen. V&R Verlag

Workshop 2: Jörg Scharff

Zwischenleibliche Aspekte der Kommunikation – Einübung in Selbst- und Fremdwahrnehmung

Zwischenleibliche Aspekte der Kommunikation – Einübung in Selbst- und Fremdwahrnehmung. Kommunikation im therapeutischen Raum ist immer auch eine zwischenleibliche. Das Verstehen der Vorgänge im analytischen Feld bedarf eines Sich-Einlassens auf deren leibliche Dimension und eines Erspürens der unmittelbaren sinnlichen Einwirkung aufeinander. Hier blickt der Therapeut nicht objektivierend auf das Geschehen, sondern lässt sich von ihm leiblich ergreifen. So gilt es, sich dessen gewahr zu werden, wie man vom leiblichen Äußerungsgestus des Patienten in Anspruch genommen ist und darauf antwortet, wie man umgekehrt aber auch mit dem eigenen gestisch-mimetischen Ausdruck auf den Patienten einwirkt. Die Unmittelbarkeit der zwischenleiblichen Kommunikation ist ein Erstes, dem oft erst in einem zweiten, nachträglichen Schritt ein Verstehen folgt. Im Workshop sollen anhand praktischer Beispiele und Übungen die Selbst- und Fremdwahrnehmung geschult werden, zum einen hinsichtlich des musikalischen Aspekts der sprachlichen Äußerungen (Ton, Rhythmus, Artikulation, »Sound« usw.,) aber auch der »Sprache des Leibes« mit seiner Gestik, Mimik, dem Gesamt seiner Bewegungsaura. 

Empfohlene Literatur:

Jörg M. Scharff (2010): Die leibliche Dimension in der Psychoanalyse. Brandes& Apsel.
Sebastian Leikert/Jörg M. Scharff (2013): Korrespondenzen und Resonanzen. Psychoanalyse und Musik im Dialog. Brandes & Apsel.

Workshop 3: Otto Hofer-Moser

Traumaspezifische Krisenintervention in laufenden Therapieprozessen

Dieser Workshop richtet sich in erster Linie an Studierende der SFU und darüber hinaus an Symposium-Teilnehmer*innen, die sich ein grundlegendes Wissen im Umgang mit traumatisierten Patient*innen aneignen möchten. Der Schwerpunkt wird dabei auf jenen Patient*innen liegen, die im Verlaufe einer konventionellen Therapie ein sogenanntes Monotrauma erleiden, ohne dass bei ihnen ein komplex-traumatischer biographischer Hintergrund vorliegt.

Der Workshop möchte ein Grundwissen in Psychotraumatologie auf dem Hintergrund neurobiologischer Forschungsergebnisse und darauf aufbauend ein Konzept vermitteln, wie dieses Wissen hilfreich in einen laufenden therapeutischen Prozess unter besonderer Beachtung der bisherigen therapeutischen Beziehung integriert werden kann. In der Regel erfordert eine solche Situation nämlich einen zumindest vorübergehenden Wechsel zu einer Beziehung, in welcher dem Realanteil gegenüber dem Übertragungsaspekt eine bedeutend größere Rolle zukommt. Akut traumatisierte Menschen brauchen nämlich ganz bestimmte, der gewohnten therapeutischen Zugangsweise unter Umständen sogar diametral gegenüberstehende Strategien und Haltungen, damit sie diesen psychischen Ausnahmezustand mit der Zeit gut bewältigen können.

Das Konzept des sicheren inneren Ortes und die sogenannte Pendeltechnik – d. h. das kontrollierte Pendeln zwischen bedrohlichen Aspekten der traumatischen Erfahrung einerseits und der spürbaren Erfahrung gegenwärtiger Sicherheit andererseits – werden darüber hinaus vorgestellt und können in Selbsterfahrungssequenzen eingeübt werden. Ein ausführliches Handout zu den Inhalten des Workshops wird zur Verfügung gestellt.

Workshop 4: Christine und Peter Geißler

Nicht alles muss durch das Nadelöhr der Sprache gehen

In jeder verbal geführten Therapie findet unentwegt und in der Regel unreflektiert ein vielfältiger nonverbaler Signalaustausch statt. An die 80 Prozent der Gesamtkommunikation erfolgt nicht-sprachlich – mehr noch: entscheidende Faktoren im Wirkgeschehen zwischen Patient(in) und Therapeut(in) vollziehen sich „ohne Worte“. Im Workshop geben wir anhand einfacher Übungen zu den Themenbereichen Nähe / Distanz, Augenkontakt, stimmlicher Ausdruck und Bewegung einen ersten Überblick über diese ungeheuer reiche Erfahrungsdimension, kombiniert mit individueller Reflexion und Gruppendiskussionen zwecks theoretischer Einordnung.

Literatur: Peter Geißler (2017). Psychodynamische Körperpsychotherapie. Psychodynamik kompakt (Hg.: F. Resch, I. Seiffge-Krenke). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Bequeme Kleidung sowie das Mitbringen einer Decke (Yoga-Matte) wird empfohlen.

Workshop 5: Christina Sogl

Die Mitbewegung mit dem Kind im Erwachsenen in der Analytischen Körperpsychotherapie

In der Erwachsenentherapie begegnen wir immer auch dem Kind im Erwachsenen in all seinen unterschiedlichen Entwicklungsphasen. In der psychoanalytisch fundierten Körperpsychotherapie mit einem (auch für Berührung) offenen Behandlungssetting versuchen wir entlang einem Konzept von Lebensbewegung und therapeutischer Mitbewegung (G. Heisterkamp) eine heilsame Form von Mitbewegung zu finden. Dabei ist es hilfreich, wenn es gelingt, die einstmals unzulänglich beantworteten kindlichen Entwicklungsbedürfnisse direkt auf der Ebene impliziten Beziehungswissens zu berühren. Die verkörperten Erfahrungen können spürbar und heilsam ergänzt und erweitert werden, so dass eine positive Resonanzerfahrung möglich wird. Diese kann eine integrierende Brücke schlagen zwischen verdrängter/abgespaltener schmerzhafter oder Mangelerfahrung, bislang nicht gefühltem Gefühl, das im Rahmen einer veränderten körper-seelischen Kontrasterfahrung fühlbar werden kann, und der heilsamen Neuerfahrung von Entspannung und Verbundenheit im Kontakt nach gemeinsam Durchlebtem.

In diesem Workshop können die Teilnehmer behandlungstechnische Merkmale entwicklungsphasentypischer Interventionen kennenlernen, sie am eigenen Leib erfahren und erforschen sowie im gemeinsamen Austausch reflektieren.

Dabei differenzieren wir die verkörperten kindlichen Entwicklungsbedürfnissen von den erwachsenen, können so allzu früh im Patienten Verwirrtes entwirren und die kindlichen Entwicklungsbedürfnisse heilsam beantworten. Auf diese Weise wird in der therapeutischen Dyade ein Spielraum unbefangenen Miteinander-in-Berührung-Seins und heilsamer Neuerfahrung im kreativen Spiel als ursprünglichster Form ungetrübter Lebendigkeit möglich.

Workshop 6: Thomas Reinert

Überschreitung der Grenze zwischen Erwachsenen- und KiJu-Therapie? Wann? Warum? Wie geht das? Im Workshop sollen, auch mit praktischen Beispielen, die Bedingung

Überschreitung der Grenze zwischen Erwachsenen- und KiJu-Therapie? Wann? Warum? Wie geht das? Im Workshop sollen, auch mit praktischen Beispielen, die Bedingungen dafür ausgelotet werden.

Workshop 7: Dagmar Motzkau

„Wenn du mich berührst bin ich tot.“

Anhand des Fallbeispiels eines 9-jährigen Jungen mit schwerer Gewalterfahrung und allergischem Asthma bronchiale, der 3 ½  Jahre in die tiefenpsychologisch – körpertherapeutische  Behandlung kam, soll in diesem Workshop in verschiedenen praktischen Situationen aufgezeigt werden welche Parallelen und welche Unterschiede es zur Erwachsenen Körpertherapie gibt oder geben kann.  Dazu soll es nach einer kurzen Einführung in den Fall eine systemische Aufstellung des sozialen Umfeldes des  Kindes in dem Fall geben.  Danach sollen mehrere Aspekte der Therapie einzeln beleuchtet werden wie: Verständnis der Gesamtsituation des Patienten, der lange Weg ins spezielle körpertherapeutische Setting, Körperübungen fokussiert auf den Atem und ihre Erweiterungen, Übergang in freiere Gestaltung des Therapiesettings vom Kind aus, Möglichkeiten und Grenzen der körperlichen Berührung und Aspekte der Traumabearbeitung.

An jedem der einzelnen Abschnitte der Therapie kann nachvollzogen und diskutiert werden, welche Situationen und Interventionen in der Erwachsenen Therapie ähnlich sind und was nicht übertragbar ist, aber womöglich den Wissenshintergrund erweitert. Eigene Ideen und Phantasien zum Fall und zur möglichen therapeutischen Vorgehensweise können eingebracht werden.